Versionsgeschichte

IC2

Nachdem die erste Version des Instruments in der Sozialarbeitspraxis interessierte aufgenommen wurde, dienten die Rückmeldungen als Ausgangspunkt einer umfangreichen Überarbeitung. 2009 wurde die neue, erweiterte Version IC2 veröffentlicht, die den Bedürfnissen der Praxis noch besser angepasst war.

Die Änderung besteht vor allem in der Erweiterung um einen zweiten und dritten Teil. Während der erste Teil Inklusion/Exklusion in gesellschaftliche Funktionssysteme kartiert, ist der zweite Teil bedürfnisorientiert. In ihm wird der derzeitige Stand der Existenzsicherung eingeschätzt. Damit reagiere ich auf die zahlreichen Rückmeldungen aus der Praxis, die v.a. das Fehlen der Dimension „Wohnen“ bemängelten. Im dritten Teil werden die personalen Bedingungen in den Blick genommen, also in einem weiten Sinne die körperliche/psychische Ausgangslage. 

In der ersten Version war das Instrument auf Fragen der Inklusion in Funktionssysteme beschränkt. Existenzielle Bedürfnisse wie z.B. „Wohnen“ waren dabei unberücksichtigt geblieben, weil die Befriedigung dieser Bedürfnisses auf sehr verschiedene Art erfolgen kann, z.B. durch den Kauf oder die Miete einer Wohnung auf dem freien Markt (dafür wären die Inklusion in die Funktionssysteme Arbeitsmarkt und Geldverkehr eine Voraussetzung), oder durch Substitute (Sozialwohnung, Heim). Die Entscheidung, Inklusion/Exklusion in gesellschaftliche Funktionssysteme als zentrale Unterscheidung für dieses Instrument zu wählen, wäre damit unterlaufen worden. Durch die Beifügung zweier Dimensionen können nun weitere für die Praxis der Sozialen Arbeit wichtige und interventionsbegründende Lebensbedingungen über das Instrument erfasst werden.

Die zweite Version akzeptiert, dass Soziale Arbeit nicht nur / nicht ausschließlich Fragen der Inklusion/Exklusion bearbeitet, sondern dass sie in ihrem Zugriff auf Möglichkeiten der Bereitstellung von Substituten für „normal“ via Inklusion zu erlangende „LebensMittel“ die Bereitstellung von Substituten über die Ressourcen des Sozialwesens organisiert. Insofern ist für sie nicht nur die Inklusion der KlientInnen in die Funktionssysteme interessant, sondern auch das Niveau der bedürfnisadäquaten Substitution. Folgerichtig muss bei Interventionsentscheidungen die Dimension der aktuellen Bedürfnisbefriedigung  mitbedacht werden. Anders formuliert: Wenn KlientInnen ihre Bedürfnisse über die Teilhabe an gesellschaftlichen Funktionssystemen befriedigen können, hat Soziale Arbeit nichts zu tun. Wenn sie das nicht können, dann gibt es immer noch verschiedene Niveaus der substituierten Befriedigung von Bedürfnissen, die nicht gleich gültig sind. Für die Begründung sozialarbeiterischer Interventionen muss also neben der Frage der Inklusion/Exklusion noch das Maß der Befriedigung grundlegender Bedürfnisse herangezogen werden. Dies umso mehr, als die Existenzsicherung die Basis für die Möglichkeiten aktiver gesellschaftlicher Teilhabe der KlientInnen darstellt.

In seiner neuen Version vereint das Instrument die Dimensionen Inklusion/Exklusion mit der Dimension der existenziellen Bedürfnisse und der Dimension der im weitesten Sinne körperlichen Basis. Auch diese Fassung solte von der Fachkraft allein ausgefüllt werden. Erstmal wurde jedoch darauf hingewiesen, dass der offene Einsatz, also in Anwesenheit von KlientInnen, denkbar wäre, jedoch noch keinerlei Praxiserfahrungen hierzu bekannt waren.